Türsturz


Die Geschichte rund um die Rothe Mühle

Die "Rothe Mühle" ist nach der Obermühle und der Jungmühle die dritte Mühle - eine ehemalige Schrotmühle - am Nonnenbach in Haus Escherde.

Kloster Escherde

Das Kloster Escherde wurde 1203 durch Lippold von Escherde gestiftet, ursprünglich im heutigen Groß Escherde; die Stiftung umfasste eine Kirche und vier Hofstellen als Grundlage für ein Benediktinerinnenkloster. 1236 wurde das Kloster an den Westrand des Hildesheimer Waldes an die heutige Stelle verlegt, die damals noch "Bovingehusen" hieß - dieser alte Name weist auf eine sächsische Siedlung hin, die hier vermutlich seit dem 7./8. Jahrhundert bestand. Der Grund der Umsiedlung mag aus heutiger Sicht erstaunen: die ursprüngliche Lage am Hellweg (heute Bundesstraße 1) bei Groß Escherde war zu stark durch den damaligen Verkehr beeinträchtigt. Seit 1264 ist der Name "Escherte" belegt.

Bereits zu diesem Zeitpunkt ist in Kloster Escherde die Errichtung einer Mühle dokumentiert. Die genaue Lage dieser ersten Mühle ist allerdings nicht bekannt.

In der Nachfolge der Reformation wurde das Kloster durch den Quedlinburger Rezess (13. Mai 1523) in ein evangelisches Damenstift umgewandelt. Nach dem vollständigen Niedergang des Klosters während des Dreißigjährigen Krieges und der Rückgabe der verlorenen Gebiete im Hildesheimer Hauptrezess (1643) an das Hochstift Hildesheim wurde das Kloster neu aufgebaut. Die Obermühle (die "Knochenmühle"), am "Jungffern-Teich" gelegen, wurde in der zweiten Hälfte des 17. Jhdts. erbaut. Die Mittelmühle (bzw. "Jungmühle") wurde 1676 errichtet, unterhalb des zweiten Mühlteiches. Der Bau der Klosterkirche wurde 1685 begonnen und nicht vor 1692 fertiggestellt, die Weihe der Kirche erfolgte erst im Jahre 1742. Ab 1709 wurde das Kloster mit einer Mauer eingefasst. 1716 schließlich wurde der Klosterkrug errichtet, erst 1726 dann die Untermühle, die Rothe Mühle.

Im Rahmen der durch Napoleon veranlassten Säkularisation wurde das Kloster im Jahr 1811 aufgelöst, ab 1838 wurde es Staatsdomäne. Die Ortschaft erhielt den Namen "Haus Escherde".

Die Rothe Mühle

Ursprünglich war die Rothe Mühle Teil des Klosterguts Escherde, mit der Säkularisation kam sie zunächst in Privatbesitz, bevor sie Teil der Domäne wurde. 1935 erwarb die Mühle der Müller Ernst Rott von der preußischen Domänenverwaltung, 1954 ging sie in den Besitz des letzten Müllers Gerhard Bannasch über.

Die Rothe Mühle ist ein zweistöckiger Bau aus Bruchstein mit massiven Tür- und Fensterlaibungen aus Kalkstein, evtl. aus einem inzwischen erschöpften Steinbruch in Banteln. Rund die Hälfte der Außenwand ist unverputzt, im Rahmen von Um- und Anbauten in den 50er Jahren des letzten Jahrhunderts an der Nordwestseite wurden dort die Flächen mit Rauhputz versehen. An der Nordostseite ist auf einem Teil der Wand grober, einfacher Putz aufgebracht. Dort befindet sich auch der ursprüngliche Eingang zum Mühlenteil des Gebäudes, dessen Sturz das Baujahr der Mühle dokumentiert: "AEDIFICATUM ANNO 1726".

An dieser Seite schließt sich das Gelände des ehemaligen Mühlenteichs an das Gebäude an. Es gibt zwei Durchlässe für das Wasser des Nonnenbachs in das Mühlengebäude, durch den oberen Einlass wurde das mehr als vier Meter Durchmesser große Mühlrad oberschlächtig beschickt, in einem rund 5 Meter hohen Raum an der Nordostseite des Gebäudes (in ähnlicher Weise war auch das Mühlrad der Jungmühle untergebracht). Das Wasser fließt durch ein großes Rundbogentor, das durch eine zweiteilige Türe verschlossen werden kann, wieder ins Freie.
Da der Nonnenbach eher unregelmäßig Wasser führt (meist unter 10 m3/h), wurde die Mühle wahrscheinlich im Schwallbetrieb gefahren.

Die Rothe Mühle ist als letzte der Mühlen des ehemaligen Klosters Escherde im Jahr 1960 außer Betrieb gegangen, im Rahmen bundesweiter Programme zur Stilllegung kleiner Mühlen.
Der Mühlteich bedeckte ursprünglich eine Fläche von etwa eineinhalb Hektar, bachaufwärts sind drei weitere Teiche zu finden, zwei davon ebenfalls ehemalige Mühlteiche.
Ein ehemals genutzter Wasserkanal entlang des Teichs ist heute noch vorhanden.
In dem historischen Bild (aus dem Jahr 1935) von der Ackerseite her ist am rechten Rand mittig ein hölzernes Gerinne zu erkennen, das das Wasser dem oberschlächtigen Wasserrad zuführte. Das Freiwasser (das Wasser, das nicht über das Mühlrad fließen soll, z.B. bei Mahlpausen oder bei Wartungsarbeiten am Mühlrad) wurde außen um das Gebäude geführt, in späteren Jahren verdeckt (so beschreibt es eine Quelle aus dem Jahr 1935).

Im Erdgeschoss der Mühle war die Mühlentechnik installiert (Mühlsteine, Wellen usw.), die inzwischen komplett demontiert ist. Auch die ehemaligen Ställe für Schweine und Kühe werden mittlerweile anderweitig genutzt. Oberhalb des Mühlrads wurde das zu mahlende Getreide gelagert, daneben befanden sich im Obergeschoss die Mahlstube und zugehörige Werkräume. Die weiteren Räume wurden zu Wohnzwecken genutzt.

In den Jahren 1954-55 wurde ein Anbau an die Mühle errichtet, als Altenteil für den bisherigen Besitzer. Weitere Umbauten und Änderungen (einschließlich der Neueindeckung des Daches) erfolgten in den 1970er Jahren.

Letzte Aktualisierung: 10.1.2024

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